[Weihnachtsgeschichte] von Heike und Icarus

Weihnachtsgeschichte Icarus Hundeblog miDoggy

Weihnachten ist die schönste Zeit im Jahr. Wenn die Hektik des Alltags im Glanz des buntgeschmückten Lichterbaums verblasst und die Familie bei duftenden Weihnachtsleckereien gutgelaunt zusammensitzt, während draußen der Schnee sanft auf die nächtliche Landschaft hernieder sinkt. Die Welt rückt hinter warmem Kaminfeuer fern und alles wird still. Das zumindest, ist die Theorie. 

Eine Theorie, die unser Collie Icarus jedes Jahr aufs Neue mit seinen innovativen Spielchen und Späßchen zu testen versucht, und wir lernen alle Jahre wieder was Neues dazu…..

Ich erinnere mich immer wieder gern an unser erstes gemeinsames Weihnachten. Icarus war damals mit gut 13 Monaten ein entdeckungsfreudiger junger Rüde, der seine neugierige Nase vorrangig in anderer Leute Angelegenheiten stecken musste. Wenn diese Angelegenheiten sich dann noch um Essen drehten, brachte er dahingehend einen Ehrgeiz und eine Motivation in der Informationsbeschaffung über Was?, wer?, wo? auf, die selbst den fleißigsten Mitarbeiter bei der NSA als Faultier erscheinen ließen. 

So kam es dann auch, dass Icarus mich am Vormittag des 24. ganz zufällig begleitete, als ich im Keller die jüngst verstorbene Weihnachtsgans Auguste aus der Tiefkühltruhe holte und sie zum Auftauen in unsere Küche verbrachte. Ganz traditionell sollte am ersten Feiertag der Braten auf dem Tisch stehen. Ähnliche Gedanken schien auch Icarus gehabt zu haben und hat die Gans den ganzen Tag über brav bewacht, damit sie nicht am Ende noch aus dem Kälteschlaf wieder erwachte und das Weite suchte. Augustes Fluchtversuch am Weihnachstabend habe ich dann leider fast verpaßt – ich hatte mich noch keine fünf Sekunden aus der Küche entfernt, da hörte ich einen dumpfen Aufschlag auf den Fliesen. Icarus hatte die angetaute Auguste samt Frostschüssel von der Anrichte geschoben und stand mit bereits an Auguste klebender Zunge und frohlockenden Augen vor mir. Der anschließende Kampf um den Tiefkühlvogel endete zunächst mit ¾ Vogel für mich und ¼ Vogel für Icarus. Ich überlegte schon, wie ich meiner Familie plausibel erklärte, dass Auguste leider mit einer Behinderung zur Welt gekommen sei bzw. dass es sich um eine seltene Einbeinzüchtung mit jedoch vortrefflicher Geschmacksnote handelte, während Icarus mit seiner Gänsekeule halb im Rachen flüchtete. 

Nicht gewillt, dieses sträfliche Verhalten ungesühnt zu lassen, versuchte ich mich durch eine leicht geänderte Form der Heimlich-Methode auf den Hund zu werfen, damit dieser das Bein ausspuckte. Ich scheiterte jedoch an einem im Weg liegenden Plüschweihnachtselch, den Icarus in Vorfreude auf das Fest bereits am Morgen geschenkt bekommen hatte und der noch während meines Falls ein lautes Röhren gemischt mit lustig klingenden Weihnachtsglocken vernehmen ließ. Ja, süßer haben die Glocken auch nie geklungen als ich der Länge nach auf dem Boden der Tatsachen aufschlug. Icarus hatte so letztendlich sein ganzes Bein und ich war froh, dass ich meine Beine noch ganz hatte.

Letzendlich habe ich den Kampf um das Gänsebein dann doch gewonnen und konnte der noch ungeschmückten Nordmanntanne in der Wohnstube meine Aufmerksamkeit schenken. Schnell war die Lichterkette angebracht. Rote Kugeln und kleine Holzfiguren zierten die Zweige und vereinzelt hatte ich süßen Baumschmuck angebracht, teils schokoladene in glitzerndem Papier verpackte Weihnachtssterne, teils bunt glasierte Lebkuchenherzen. Der Baum war eine Pracht. Nun musste ich nur noch die bereits eingepackten Geschenke darunter legen und es wäre die perfekte Weihnachtswerbeszene. Ich ging in mein Zimmer, wo in den Schränken verteilt die Präsente für die Familie vor neugierigen Blicken geschützt waren.

Als ich nach fünf Minuten in die Stube zurückkehrte, empfing mich der Anblick eines kahlgefressenen Weihnachtsbaumes, der in seinem Topf einen leichten Schiefstand hatte und dessen Zweige an einigen Stellen abgebrochen waren. Vereinzelt lagen Weihnachtskugeln auf dem Boden gemischt mit buntem Alupapier, das zuvor noch um die Schokolade gewickelt war. Von den Lebkuchenherzen war nur in den höheren Zweigen noch etwas übrig. Icarus saß unschuldig in seinem Hundebett am Kamin und betrachtete mich süffisant. An seinen Barthaaren entdeckte ich noch goldene Reste von Lametta und in seinem Fell prangten hier und da grüne Tannennadeln. Zwischen seinen Pfoten röhrte der Plüschweihnachtselch zu süßen Weihnachtsglocken.

Ich versuchte alsdann noch, den schiefen Baum wieder zu richten und die verbliebenen Weihnachtskugeln strategisch günstig zu verteilen. Die Geschenke wurden aufwendig drapiert, damit sie von dem darüberstehenden Elend etwas ablenkten. Leider hat mein künstlerisches Geschick nicht gereicht und meine von den letzten Besorgungen heimkehrende Familie stellte das Unglück auch sehr schnell fest. Die entbeinte Auguste entlockte meiner Mum einen kleinen Entsetzensschrei, während meinem Vater angesichts des missgestalteten Baumes ein dumpfes Raunen entfuhr.

Icarus tangierte die Aufregung nur peripher. Mit seinem Plüschelch war er von einem zum anderen in Begrüßungsmission freudig wedelnd unterwegs und verbreitete mit Röhren und süß klingenden Glocken beschauliche Weihnachtsstimmung. Letztendlich schaffte er es damit auch, dass die Familie trotz seiner Missetaten zusammen nach kurzen Augenblicken des Schocks herzhaft gemeinsam lachte. Letztendlich, so brachte Icarus uns an jenem Tag bei, ist Weihnachten nicht das Fest der Schönheit und der Perfektion, sondern das Fest der Liebe. Und egal, was der Hund auch tut, um uns an den Rand des Wahnsinns und über die Klippen hinaus zu treiben, so ist es doch das Schönste, ihn an unserer Seite und in unserer Familie zu haben.

 


Heike’s wunderschöne Webseiten findet Ihr hier. Das Bild wurde uns von ihr zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! ♥

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2 Comments
  1. Paula 2 Jahren ago

    Oh wow die Geschichte hat gerade bei mir das ein oder andere Schmunzeln entlockt das kann ich mir vorstellen, die arme einbeinige Auguste, das War bestimmt ein Schock für sie

  2. Maxi 2 Jahren ago

    Eine ganz ganz tolle Geschichte, in sich geschlossen und mit einem super schönen Schlusssatz 🙂 gefällt mir wirklich gut!
    Ich wünsche euch dieses Jahr ein ebenso Liebe-volles Weihnachten 🙂

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